Dokumentation

Bedrohte Wissenschaftsfreiheit, Teil C

Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum

Hinweise auf weitere Fälle sind willkommen.

C) Wie soll gesprochen werden müssen?
Einwirkungen mit dem Ziel, politisch inopportune „schlechte Wissenschaft“ zu unterbinden

Die Deutsche Zoologische Gesellschaft verabschiedet die vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und dem Präsidenten der Universität Jena mitgetragene Jenaer Erklärung zum Rassebegriff. Dieser zufolge ist es „Aufgabe der Wissenschaft […], nach einer möglichen Realität von Menschenrassen zu fragen“ – insbesondere, ob es sich um „biologische Realität“ oder „reine Konstrukte des menschlichen Geistes“ handele. Mittlerweile jedoch seien „die Rassenkonzepte endgültig als typologische Konstrukte entlarvt“. Das Konzept der Rasse sei „das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung“, es sei „der Rassismus […], der Rassen geschaffen hat“. Tatsächlich ist die Frage, ob oder inwiefern es menschliche Rassen gibt, auch weiterhin Gegenstand sachorientierter biologischer und wissenschaftsphilosophischer Diskussionen. Dennoch fordert die Jenaer Erklärung: Der „Nichtgebrauch des Begriffes Rasse sollte heute und zukünftig zur wissenschaftlichen Redlichkeit gehören“. (2019)

Der Historikerverband VHD verabschiedet eine Resolution „zu gegenwärtigen Gefährdungen der Demokratie“, in der eine wertende Pauschalaussage über Migration getroffen wird: „Migration ist eine historische Konstante. Ungeachtet aller mit ihr verbundenen Probleme hat sie die beteiligten Gesellschaften insgesamt bereichert – auch die deutsche.“ Damit wird der Versuch unternommen, eine bestimmte politisch-normative Einschätzung für den wissenschaftlichen Diskurs insgesamt verbindlich zu machen. (2018)

Übergreifend: In einem Positionspapier des Netzwerks Wissenschaftsmanagement mit dem Titel „Wissenschaftsfreiheit neu gestalten“ wird angeregt, „die Wissenschaftsfreiheit inhaltlich stärker als ein organisationales und weniger als ein persönliches Grundrecht zu sehen“. Im Zuge der Hochschulautonomie soll die Wissenschaftsfreiheit von einzelnen Personen auf die Hochschule als Organisationseinheit (d.h. auf das Wissenschaftsmanagement) übergehen. (2017)